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ARZTPRAXIS 2005
EIN BEITRAG VON: MAG. INGRIED HATTENBERGER
Arztpraxis 2005
Unter heutigen marktwirtschaftlichen Bedingungen, die auch im Gesundheitswesen Einzug gehalten haben,
kommt kaum noch ein Arzt an einem sinnvollen Marketing für die eigene Praxis vorbei.
Unter Marketing versteht man die markt- und kundenorientierte Führung einer Organisation
(Unternehmen, Institution, Arztpraxis etc.) Das Marketingkonzept ist in erster Linie von den
persönlichen Zielen des Arztes abzuleiten und kann beispielsweise dazu führen, daß
- Konkurrenzvorteile erzielt werden,
- das eigene Image aufgewertet wird,
- neue Patienten gewonnen werden etc.
Ein Patentrezept für das richtige Marketingkonzept gibt es nicht, aber es sollten gewisse Grundregeln
beachtet werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Hierzu nochmals einige Anregungen und Hinweise, deren Umsetzung aus heutiger Sicht in keiner modernen
Arztpraxis unbeachtet bleiben sollten:
Darunter versteht man eine abgestimmte Gestaltung von Praxisschildern, Visitenkarten, Briefbögen,
Stempeln usw. Hier wird vor allem darauf abgezielt, das „Markenzeichen“ bekanntzumachen.
Die gleichmäßige Gestaltung über Formen, Farben und Schriftzüge prägt sich
schnell ein und führt bei vielen Patienten unbewußt zu einer gewissen Identifikation.
- Aufnahme in diverse Verzeichnisse
Die Eintragung in amtliche Verzeichnisse, in die Gelben Seiten, in Unterlagen von Selbsthilfegruppen usw.
bewirkt, daß der Arzt immer präsent und dadurch auch für neue Patienten oder andere Partner
auffindbar ist.
Hier sollte, unter Beachtung der nach wie vor stark eingeschränkten Werbespielräume, über
besondere Anlässe ( Praxiseröffnung, Jubiläum, Erweiterung des Leistungsspektrums)
informiert werden. Es ist anzuraten, den geplanten Anzeigetext von einem Fachmann vor Veröffentlichung
unter rechtlichen Gesichtspunkten prüfen zu lassen.
- Darstellungen im Kollegenkreis
Informationen über das Leistungsspektrum der Praxis dienen in diesem Rahmen vor allem dazu,
geeignete Partner für eine sinnvolle Zusammenarbeit im Interesse der Patienten (und damit auch im eigenen
Interesse) zu finden. So kann beispielsweise ein Zugriff auf bestimmte Spezialtherapien (auch Privatleistungen)
erfolgen, ohne daß jeder Arzt in seiner Praxis alles vorhalten muß, was ohnehin nicht machbar ist.
Spezialisierung und sinnvolle Kooperation für die Angebote, die in der eigenen Praxis nicht
verfügbar sind, gestatten es, Therapiekonzepte umfassender auch für die eigenen Patienten
gestalten und umsetzen zu können.
- Patienteninformationen in den eigenen Praxisräumen
Hier besteht noch Nachholbedarf und es ist bedauerlich, daß immer noch viele Ärzte diese
optimale “Werbeplattform“ nicht ausreichend nutzen.
Das eigene Leistungsangebot der Praxis sollte unbedingt durch eine gut platzierte sachliche Information
(medizinische Inhalte und organisatorische Hinweise zur Patientenbehandlung) „beworben“
werden. Auch hier empfiehlt es sich , Wandaushänge, Handzettel und ggf. Videovorführungen
nach einem durchgängigen und einprägsamen Konzept zu gestalten.
- Arztinformationen in Computerkommunikationsnetzen
Derartige Informationen können zu einem verstärkten Patientenzulauf oder auch zu positiven
Resonanzen aus den eigenen Patientenkreisen (z.B. für angebotene Zusatzleistungen) führen.
Jedoch sind auch hierbei gewisse Rahmenbedingungen einzuhalten. So dürfen nur solche
Informationen enthalten sein, die
- auch für Praxisräume zugelassene Mitteilungen enthalten und
- ausschließlich auch für das Praxisschild zugelassene Angaben enthalten
- und wenn erst nach einer weiteren Nutzerabfrage die Praxisinformationen zugänglich gemacht werden.
Weiterhin muß durch verläßliche technische Verfahren sichergestellt sein, daß der
Nutzer beim Suchprozeß zunächst nur Zugang zu einer Homepage des Arztes erhalten kann.
Alles in allem kann ein gutes Marketingkonzept dazu beitragen, daß die Patienten besser erreicht
werden und damit zufriedener sind und daß somit die eigene Arztpraxis wettbewerbsfähig ist.
Ingrid Hattenberger
UNTERNEHMEN ARZTPRAXIS
NEUE WEGE, NEUE CHANCEN
EIN BEITRAG VON
KLAUS-DIETER LUDWIG - DIPLOM-BETRIEBSWIRT D - LÜTTCHENDORF
Viele Ärzte empfinden die Situation in der derzeitigen Kassenmedizin als frustrierend
und die heutige Stellung des niedergelassenen Arztes ist sicherlich auch nicht einfach:
Zum Arzt wurde er freiwillig und er ist ein ausgebildeter und hochqualifizierter Fachmann für Krankheit.
Unternehmer muß er ungewollt sein und er ist in der Regel ein kaufmännischer Laie.
Ärzte möchten Medizin betreiben und sich nicht mit „Papierkram“ und
Bürokratie herumschlagen.
Und dennoch: Die frustrierenden Budgets begrenzen zwar die wirtschaftliche Entfaltung, deren
Einführung eröffnen aber andererseits neue Möglichkeiten, wenn die
Situation mit Sachverstand und Optimismus aktiv genutzt wird, anstelle in pessimistischer
Haltung abzuwarten, was da noch Frustrierendes auf uns zukommt.
Denn Marktmechanismen greifen überall - auch in der niedergelassenen Arztpraxis.
Und so kann es vielfach eine neue Chance sein, die eigenen Praxisabläufe kritisch zu
durchleuchten und sich aus medizinischer Sicht neuen Herausforderungen zu stellen und
gleichzeitig neue Einnahmequellen zu erschließen. Dies stellt an sich keinen Widerspruch
zum Hippokratischen Eid dar.
Bekanntlich kann der niedergelassene Arzt sein durch Budgets gedecktes Einkommen auch
nicht durch mehr Fleiß erhöhen, denn auch hier stößt er in der
Kassenmedizin auf staatliche Reglementierungen. Also ist es sinnvoll, neue Wege zu
gehen und dabei auf die eingeschlagene Richtung und auf das Schrittmaß zu
achten, um auch dort anzukommen, wo man wirklich hin möchte.
Eine sinnvolle Kombination von kassenmedizinischen Leistungen und individuellen
Gesundheitsleistungen (IGEL-Liste) kann hier wieder Licht und Freude in den
Arzt-Alltag bringen, wenn das richtige Marketing dahintersteht und der vom
Gesetzgeber vorgegebene Rahmen beachtet wird.
Dazu ist die Analyse der derzeitigen allgemeinen (Markt) und konkreten (Praxis)
Situation ebenso erforderlich wie eine klare Zielsetzung für das Praxiskonzept.
Die Informationsbeschaffung durch eine Analyse des Ist-Zustandes
macht dabei die Ausgangssituation bewußt und stellt die Basis über
die zu treffenden Entscheidungen dar, was wann und wie getan werden kann,
um aus Frust wieder Lust werden zu lassen.
Bei der Erstellung einer aussagekräftigen Analyse sind u.a. solche
Fragestellungen zu durchleuchten:
Wie ist die allgemeine Marktsituation, wie etabliert sich die Konkurrenz, was
erwarten meine Patienten, wie kann ich mehr Patientenbindung erreichen,
inwieweit ist meine Praxis wettbewerbsfähig, wie sieht die finanzielle,
personelle und fachlich-inhaltliche Kapazität meiner Praxis aus usw.
Daraus könnte sich dann als Zielstellung ableiten lassen, z.B. eine
Optimierung der Ertragslage , eine Verbesserung der technischen Ausstattung
und die Gewinnung neuer Marktanteile anzustreben.
Wie stellt sich nun die derzeitige Marktsituation im Bereich der Kassenmedizin dar ?
Aus wirtschaftlicher Sicht ist eine Verschlechterung der Ertragslage im Berufsstand
durch die Budgetierung der kassenmedizinischen Leistungen (gerechte Verteilung?!),
eine Androhung von liquiden Sanktionen bei Arzneimittelbudgetüberschreitungen
(Kollektivhaftung?!), ein erhöhter liquider Abfluß durch Tilgung und Zinsen z.B.
von Förderkrediten (Umschuldungen?!) sowie ein sich ständig erhöhender Stand
an qualitativ hochwertiger Medizintechnik in den Praxen (Zugzwang ?!) zu verzeichnen.
Dabei stehen den Ärzten nur stark eingeschränkte unternehmerische Spielräume
zur gezielten Einflußnahme zur Verfügung.
Aus medizinischer Sicht sind schulmedizinische Inhalte favorisiert, Pharmakologie
und Invasivmedizin führen mit ihren meist symptomatischen Therapieansätzen
oft nicht zum gewünschten Erfolg, chronisch-degenerative Erkrankungen nehmen weiter zu.
Spätestens an dieser Stelle erhebt sich die Frage: Steckt die Schulmedizin
insgesamt in einer Sackgasse?
Tatsache ist jedenfalls, daß Patienten mit hohem Leidensdruck in
zunehmendem Maße alternativ oder ergänzend medizinische
Hilfe suchen. Ebenso offensichtlich steigt das Grundinteresse bestimmter
Bevölkerungskreise an fundierter medizinischer Aufklärung, so daß
immer mehr gesundheitsorientierte Menschen Interesse an alternativen und/oder ergänzenden
Methoden auch im Sinne von Prävention entwickeln.
Das wiederum bedeutet, daß der moderne Arzt im Interesse einer bedarfsgerechten
Patientenbetreuung oftmals gar nicht mehr an der Einbindung derartiger Methoden in sein
Praxiskonzept vorbeikommt, wenn er seine Patienten an sich binden möchte und
wettbewerbsfähig bleiben will. Ganz zu schweigen davon, daß sich inzwischen
die Aussagen aus ernst zu nehmenden medizinischen Kreisen häufen, wonach eine
sinnvolle Ergänzung der klassisch-etablierten Medizin mit komplementärmedizinischen
Methoden oft zu erstaunlich guten und weitergehenden Therapieerfolgen führt.
Was soll daran negativ sein, wenn ein guter Arzt seinen Patienten ein guter Gesundheitsberater
ist und auch gute medizinische Leistungen anbietet, die nicht oder nicht mehr Bestandteil des
kassenärztlichen Versorgungs-auftrages sind? Daß er für seine
Bemühungen auch den wohlverdienten Lohn erhalten möchte? Fordert nicht
jeder Dienstleister seinen Lohn (der Steuerberater, der Rechtsanwalt, der Notar, das Ordnungsamt, usw.)?
Hier ist die Teilnahme an einem Marketingseminar für Ärzte anzuraten.
Viele Ärzte unterschätzen das ernsthafte Interesse und die
Zahlungsbereitschaft ihrer Patienten. Umfragen haben ergeben, daß ca. 40% der
Befragten bereit sind, für Zusatzleistungen selbst zu bezahlen. (Ich selbst bin dankbarer
Patient eines modernen Arztes, der in seiner Praxis u.a. mit Magnetfeld-Stimulation behandelt.)
Daher ist die „Qualifizierung vom Fachmann für Krankheit zum Fachmann für
Gesundheit“ für viele Ärzte sicherlich eine interessante Herausforderung, die
meines Erachtens darin besteht, in der modernen Arztpraxis immer unkonventioneller zu denken
und eine innovative Kombination aus vertragsärztlichen Leistungen und individuellen
Gesundheitsleistungen anzubieten.
Dem Patienten kommt dies gesundheitlich zu gute, dem Arzt verschafft es als Mediziner mehr
Befriedigung, ein besseres Image und mehr Einkommen obendrauf, so daß seine Leistungen
wieder wertvoller werden.
In diesem Sinne hat die Gesundheitsreform einiges in Bewegung gebracht, was inzwischen von
Patienten und Ärzten als sehr hoffnungsvoll eingeschätzt wird.
Klaus-Dieter Ludwig