Seite 3
MED.EX. INFORMATION
WAS IST QI GONG ?
EIN BEITRAG VON: ALFRED MITTERMAYR,
PRAXIS FÜR TRADITIONELLE CHINESISCHE BEHANDLUNGSFORMEN,
A - GRIESKIRCHEN
WAS IST QI GONG ?
Lernen und das zu Zeiten Gelernte anwenden ist das nicht eine Freude?
Konfuzius
Qi ist der chinesische Begriff für „Lebensenergie“. In der chinesischen Medizin
gilt Qi als die belebende Kraft, die alle Lebewesen durchströmt. Ein lebendiges Wesen besitzt Qi im
ganzen Körper, ein totes besitzt keines mehr die Wärme, die Lebensenergie ist aus
seinem Körper gewichen. Ein gesunder Mensch hat mehr Qi als ein kranker. Jedoch verbindet sich
mit Gesundheit mehr als nur eine Fülle an Qi.
Gesundheit impliziert, daß das Qi in unserem Körper rein, nicht verschmutzt und trüb ist,
ungehindert fließen kann und nicht blockiert wird oder stagniert. Qi ist außerdem die Lebensenergie,
die sich für uns in der Natur manifestiert. Die Erde selbst bewegt und verändert sich andauernd, sie atmet
und lebt durch Qi.
 |
Manche Wissenschaftler nennen die Erde heute wie die Dichter im Altertum - „Gaia“, denn
sie ist für sie ein lebendiges Wesen. Bewundern wir die Schönheit der Tiere, Fische, Vögel, Blumen, Bäume,
Berge, des Meeresgrundes und der vorüberziehenden Wolken sind wir im Kontakt mit ihrem jeweiligen Qi und spüren
intensiv das Einssein mit ihnen.
Wir Menschen sind ein Teil der Natur und teilen uns das Qi mit den anderen Wesen dieser Erde. Gong bedeutet Arbeit
oder Erfolg durch Ausdauer und Übung.
Daher heißt Qi Gong Arbeit mit der Lebensenergie. Wir lernen, den Fluss und die Verteilung des Qi in
unserem Körper zu kontrollieren, um unsere Gesundheit zu stärken und zu einer ausgewogenen
Beziehung zwischen unserem Geist und unserem Körper zu gelangen.
Qi Gong versteht sich als ganzheitliches System mit Selbstheilungstechniken und Meditation, es ist ein althergebrachtes
und kontinuierlich fortentwickeltes Verfahren, das gesundheitsfördernde Körperhaltung, Bewegung, Selbstmassage,
Atemtechniken und Meditation umfaßt. Durch diese verschiedenen Übungsmethoden soll Qi im Körper
gesammelt und gespeichert werden wie in einem Reservoir. Außerdem kann durch diese Techniken unreines und
verschmutztes Qi eine Krankheiten auslösende Substanz gereinigt und in reines, heilendes Qi
umgewandelt werden.
Ziel einiger Qi Gong-Übungen ist es daher, das unreine Qi ähnlich wie beim Atmen, auszuscheiden und so
zu eliminieren. Beim Atmen wird Sauerstoff, reine Energie, absorbiert, während gleichzeitig Kohlendioxid, verbrauchte
Energie, ausgestoßen wird.
Qi Gong-Übungen können wie korrekte Atemtechniken helfen, diesen Gasaustausch effizienter zu gestalten.
Qi Gong wird Übung oder Training genannt, weil es, nicht wie Arzneimittel, für eine begrenzte Zeit verordnet
wird, sondern vielmehr täglich praktiziert werden soll. Dies lässt sich leicht bewerkstelligen, da es ebensoviel
Spaß macht wie jede andere Sportart und doch durchschnittlich nur 20 bis 40 Minuten unserer täglichen Zeit
erfordert. Man benötigt weder eine spezielle Ausrüstung noch einen großen Übungsraum. Jeder kann
Qi Gong üben.
Es gibt Übungen für jedes Alter und jeden Gesundheitszustand sowie Übungen im Stehen, Sitzen und Liegen.
Mit nur geringen Veränderungen können die meisten Übungen, die für das Stehen entwickelt wurden,
auch in sitzender oder in liegender Position ausgeführt werden.
Auf diese weise wird Qi Gong zu einer idealen Trainingsmöglichkeit für körperlich Angeschlagene.
QI GONG - ARTEN
Die Qi Gong-Techniken lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:
Übungen-in-Bewegung
Aktives-Qi Gong (donggong)
und
Übungen-in-Ruhe
Meditatives-Qi Gong (jinggong).
Aktives Qi Gong besteht aus sichtbaren Bewegungen. Der ganze Körper bewegt sich entweder wie beim Tanzen von
einer Position in die andere, oder er verharrt in einer Position, während die Arme verschiede Stellungen durchlaufen.
In China und im Westen sind die Übungen-in-Bewegung am populärsten. Hongkong gilt als aktiv (bang), doch
das passive (in) ist darin enthalten. Der Körper bewegt sich zwar, der Geist jedoch ist entspannt und ausgeglichen,
er ist zur Ruhe gekommen.
Bei den Übungen-in-Ruhe ist der ganze Körper reglos. Das Qi wird durch geistige Konzentration, Visualisierung
und präzise Atemtechniken kontrolliert. Übungen-in-Ruhe gelten äußerlich als yin, passiv, innerlich
jedoch als yang, aktiv. Der Körper verharrt regungslos, er atmet lediglich.
Der Geist ist wach und konzentriert sich aktiv auf das Qi. Verkürzt ausgedrückt: Übungen-in-Bewegung
sind Körpertraining, während Übungen-in-Ruhe als Meditation betrachtet werden. Doch diese beiden
Kategorien lassen sich nicht streng voneinander trennen. Ruhen und Bewegungen sind relative, keine absoluten Prinzipien.
Es geht darum, die richtige Balance zu finden zwischen
 |
nicht nur im Qi Gong, sondern auch im täglichen Leben. Suchen sie Ruhe und Ausgeglichenheit in der Bewegung;
seien Sie bedacht und aufmerksam in der Ruhe.
DIE WIRKUNGSWEISE DES QI GONG
AUF KÖRPER, GEIST, SEELE
Die Übungen des Qi Gong stammen aus dem daoistischen und aus der buddhistischen Tradition des Qi Gong.
Man kann ihre jeweilige Eigenart in einigen grundsätzlichen Punkten unterscheiden. Daoistische Übungen
verwenden das Meridiansystem der chinesischen Medizin, das durch spezielle Qi Gong-Kanäle erweitert ist. Sie
haben einen zentrierenden Charakter und sind im allgemeinen geschlossener als buddhistische Übungen.
Bei daoistischen Übungen gilt als Grundregel, daß die Augen leicht geschlossen oder einen ganz kleinen
Spalt geöffnet sind.
Buddhistische Übungen sind nicht am chinesischen Meridiansystem orientiert, sondern beziehen sich auf einen
zentralen vertikalen Kanal in der Mitte des Körpers.
Aus Tibet stammende Übungen bedienen sich eines mittleren Kanalsystems (ein Hauptkanal und zwei Seitenkanäle)
zwischen dem Unteren Dantien (Qispeicher im Unterbauch) und dem Scheitelpunkt.
Dieses System stammt ursprünglich aus Indien. Es wurde in das tibetische buddhistische System des Energie
Yoga (Tsa Lung) aufgenommen und wird als Meditation bezeichnet.
In der nächsten Ausgabe werde ich über das medizinische Qi Gong und dessen heilende Wirkung berichten.
Alfred Mittermayr